Mittwoch, 22. August 2007

Lokaltipp präsentiert: das "Café Pentagramm"

Völlig neu renoviert und mit einem fast 120 Quadratmeter grossen "Temple of Seth" ausgestattet, erfüllt das Wiener Kultcafé "Café Pentagramm" offenbar vor allem die Wünsche biederer "Normalbürger" nach satanischem Treiben. Neben einem "mystisch orientierten" Publikum aus Esofreaks, Philosophen, Handleserinnen, Hexen, "Falter" - Redakteuren oder Theologen wie Buchverfasser Josef Dvorak bevölkern meist gutgekleidete Normalbürger das Lokal, in der irrigen Hoffnung, bei einer der jungen Hexen landen zu können. Satanistenchef Dokupil: "Wir sind kein Hellfire - Swingerclub, wer glaubt, hier hätten wir Sexualmagie oder Orgien, der liegt schief und kann gerne wieder gehen." Schwarze Messen, (zärtliche) Auspeitschungen junger Hexen und düsteres Interior machen den Wiener Satanstempel zum - freilich nicht unumstrittenen - Kultlokal. Ein gefallener Priester, der früher Christus. heute aber dem Fürsten der Finsternis dient, bereitet u.a. ein herrliches Carpaccio und feinste Salate zu. Die Schickeria steht Schlange. Satanistenchef Johannes Dokupil: "Wir haben hier tolle Musik, aber auch Meditationsräume, in denen ihr zur Selbsterfahrung gelangen und in der Ekstase den Satan schauen könnt. Wer Pfui Teufel sagt, fliegt raus."

Lokaltipp: "Erscheint der Teufel im Café Pentagramm an hohen satanischen Feiertagen wie zum Bespiel am Krampusfest wirklich in Gestalt eines Ziegenbocks?"

Dokupil: "Dass Sie als Journalist das Okkulte ebenso veräppeln müssen wie andere Formen der Religiosität, ist mir klar, aber auch Teil meiner Marketingstrategie. Wahscheinlich machen Sie sich über gläubige Buddhisten, ihre Räucherstäbchen und ihr Herumgehen um die Pagode an der Donau ebenso gerne lustig wie über Katholiken oder über uns Satanisten. Das sei Ihnen unbenommen, wir haben hier Meinungsfreiheit und eine multikulturelle Gesellschaft. Zu Ihrer Frage: Sie kränken mich nicht persönlich, wenn Sie den Fürsten Teufel nennen. Für uns ist er der Fürst, eben der Fürst der Finsternis, der wahre Erlöser der Menschheit. Und der Fürst erscheint ganz sicher nicht als Ziegenbock. Das ist Hollywood, das hängt historisch bzw. von der Mythenforschung her mit der sog. Baphomet - Legende zusammen, die im modernen Satanismus keine Rolle mehr spielt."

Lokaltipp: "Bei Ihnen kostet ein Bier acht Euro. Wer bezahlt diese Preise?"

Dokupil: "Machen Sie sich um unseren Umsatz keine Sorgen. Wir leben von Spendengeldern, ähnlich wie Scientology oder die Caritas."

Lokaltipp: "Sie bezeichnen sich selbst als den einzigen legitimen Nachfolger Anton Szandor La Vey's, der die kalifornische Satanskirche gründete, die Church of Satan. Der internationale Satanismus verehrt Sie aber auch als den neuen Black Pope, den Gegenspieler Benedikts des Sechzehnten. Wird der Papst, wenn er in Wien ist, im Café Pentagramm vorbeischauen, um die Gäste einem Exorzismus zu unterziehen?"

Dokupil: "Ein Exorzismus ist nicht angebracht, da bei uns kein Fall von Besessenheit vorliegt. Nur schwache Menschen sind der Besessenheit ausgeliefert. Wir Magier können u.a. durch das Hexagrammritual und andere Praktiken, die schon im Hermetic Order of the Golden Dawn gelehrt wurden, die Besessenheit leicht abwehren. Ich kenne hunderte Dämonen, die mir untertan sind und nicht ich ihnen. Zu Ihrer Frage: Falls Joseph Ratzinger den Mut hat, hierher zu uns zu kommen, dann ist er jederzeit willkommen. Es wird ihm nichts geschehen, im Gegenteil, er wird gerne von uns eingeladen. Nicht nur der Orden, auch die Kultusgemeinde achtet und respektiert die Vertreter anderer Religionsgemeinschaften. Abgelehnt werden von uns lediglich Sekten, deren Dogmen auf Unsinn beruht, z.B. Scientology. Zu Joseph Ratzinger: Er ist ein guter, aber ein schwacher Mensch. Montini war stärker."

Lokaltipp: "Papst Paul der Sechste, der Montinipapst, hat in seiner berühmten Teufelspredigt eigentlich nur gesagt, was auch Sie sagen: der Satan ist keine Erfindung des heiligen Augustinus oder frommer Juden, sondern ein reales, mächtiges Geistwesen ..."

Dokupil: "Montini hat als einziger Papst seit Innozenz dem Achten (dem Verfasser der sog. "Hexenbulle", Anm. d. Red.) den Satan geschaut, er hatte eine Vision, ihm ist der Fürst erschienen. Besonders beklemmend sein Satz - ich zitiere Giovanni Montini, also Papst Paul den Sechsten, jetzt wörtlich: der Rauch Satans ist durch eine Ritze in den Vatikan eingedrungen. Montini war in diesem Augenblick ein Mystiker, eine transzendente Persönlichkeit wie Hildegard von Bingen, sein Schlüsselerlebnis hat Kirchengeschichte geschrieben. Auch wenn sich seither zahllose Theologen, Bischöfe und Kardinäle vom Inhalt der Teufelspredigt zu distanzieren versuchen. Wer oder was ist Satan? Das erste Geschöpf Gottes, der stärkste Engel, nämlich Luzifer, der Lichtbringer. Das Geistwesen Satan hat den Urknall zu verantworten, die Störung der Singularität. Beschäftigen Sie sich mit der heutigen Quantenmechanik und der heutigen Kosmologie und nicht mit Heisenberg oder Hawking. Die heutige Teilchenphysik und die heutige Quantenmechanik läßt ein zum Sterben verurteiltes und erkaltendes Universum erkennen, das aus christlicher, islamischer oder buddhistischer Sicht sinnlos ist, ebenso sinnlos ist wie das menschliche Leben, dem die jämmerlichen Wüstenreligionen Judentum, Islam und Christentum nach Beduinenmanier mit irgendwelchen Paradiesen kommen. Wir Satanisten hingegen verstehen dieses Universum, denn es wurde gegen den Willen Gottes von seinem wahren Sohn erschaffen, dem Erstgeborenen, dem Lichtbringer, dem Luzifer. Satan steht folglich nicht für das Böse, sondern für das Leiden der noch nicht erlösten Kreatur. Dieses Motiv finden Sie besonders stark herausgearbeitet in der Omegapunkttheorie des Jesuitenpaters Teilhard de Jardin, dessen Omegachristus die Erlösung der gefallenen Engel ermöglicht und den Unsinn der ewigen Verdammnis ebenso zum stumpfsinnigen Dogma der römischen Pfaffen deklassiert wie die leibliche Aufnahme Mariens in den Himmel oder die vermeintliche Unfehlbarkeit des Papstes. Und Sie finden alle diese Gedankengänge in Frank J. Tiplers Physik der Unsterblichkeit. Satan ist keine Erfindung christlicher Kirchen. Der Erstgeborene, sprich Luzifer, wurde bereits im alten Ägypten und in Babylon verehrt. Das so genannte Todesritual der Sumerer war der erste Satanskult der Geschichte. Sir Charles Leonard Woolley hat bei den Ausgrabungen der Königsgräber von Ur sogar die silberne Harfe gefunden, mit der zum Totentanz aufgespielt wurde. Viele Orientalisten bestätigen mir hinter vorgehaltener Hand, dass es sich dabei eindeutig um einen Seth-, Shaitan- oder Satanskult handelte. Die Königsgräber von Ur und die sumerische Keilschrift sind die Basis der babylonischen Mystik und damit die Basis des so genannten Alten Testaments. Sie wissen sicher, dass die halbe Bibel von den Juden während der babylonischen Gefangenschaft von babylonischen Quellen abgeschrieben wurde. Gott erschien nicht Moses. sondern fast ein Jahrtausend früher dem babylonischen König Hammurabi. Die Juden haben daraufhin Moses erfunden, um einen eigenen israelitischen Geboteempfänger nachweisen zu können. Die Entzifferung der Keilschrift war der härteste Schlag gegen Judentum und Christentum seit dem Beginn der Neuzeit und dem Einsetzen des Denkens, sprich Aufklärung. Doch schon unendlich früher haben der altiranische Mystiker und Religionsstifter Zoroaster bzw. Zarathustra den Satan ebenso geschaut wie Mani. Deshalb ist der Satanskult viel älter als das Christentum. Erst im Spätmittelalter wurde Satan als schwefelstinkendes Scheusal verteufelt."

Lokaltipp: "Hand aufs Herz, Bruder Perdurabo: Sind Sie wirklich The Black Pope, der Stellvertreter Satans auf Erden?"

Dokupil: "Ich bin es. Die britischen und die amerikanischen Satanisten haben mich vor wenigen Wochen ausdrücklich als den einzig legitimen Nachfolger Szandor La Vey's anerkannt. Nur Michael D. Eschner ziert sich noch, aber das hängt mit seiner religiösen Suche zusammen, die noch nicht abgeschlossen ist. Bald wird auch Eschner in meinem neuen Netzwerk Thelema dabei sein."

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